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23.02.2026 therapie MÜNCHEN

Neue Perspektiven auf die Frozen Shoulder

Ist die Frozen Shoulder wirklich nur ein Schulterproblem oder übersehen wir entscheidende Zusammenhänge? Christian Garlich ist Physiotherapeut und referiert auf dem Kongress der therapie MÜNCHEN über eine Diagnose, die häufig vorschnell eingeordnet wird. In seinem Workshop zeigt er, warum systemische Faktoren, Kommunikation und die richtige Begleitung eine deutlich größere Rolle spielen, als oft angenommen wird.

Herr Garlich, Sie sprechen in Ihrem Vortrag davon, dass hinter einer Frozen Shoulder mehr steckt als ein isoliertes Schulterproblem. Welche Blickwinkel fehlen Ihrer Meinung nach bislang in der gängigen Betrachtung?

Die Frozen Shoulder wird häufig als reines Schulterproblem eingeordnet. Wenn man sich jedoch die Zahlen anschaut, wird schnell klar, dass das Bild komplexer ist. In der Allgemeinbevölkerung liegt die Prävalenz bei etwa fünf Prozent. Bei Menschen mit systemischen Erkrankungen, insbesondere bei Diabetes Typ 1 oder Typ 2, steigt sie jedoch deutlich auf zehn bis zwanzig Prozent.

Hinzu kommen weitere Erkrankungen, die auffällig häufig gemeinsam mit einer Frozen Shoulder auftreten, etwa Schilddrüsenerkrankungen, Dyslipidämien oder andere metabolische Störungen. Das legt nahe, dass wir es in vielen Fällen eher mit einem systemisch beeinflussten Prozess zu tun haben als mit einem isolierten Schulterproblem. Genau dieser Blick über das Gelenk hinaus fehlt meiner Meinung nach in der täglichen Praxis noch.

Die Frozen Shoulder gilt als selbstlimitierend, doch viele Betroffene haben auch nach Jahren noch Beschwerden. Welche Rolle spielt hier die therapeutische Intervention im Vergleich zum natürlichen Verlauf?

„Selbstlimitierend“ bedeutet, dass eine Erkrankung von selbst ausheilt. Bei der Frozen Shoulder zeigt sich jedoch, dass dies nur eingeschränkt zutrifft. Zwar verbessert sich der Zustand mit der Zeit, dennoch berichten Studien, dass auch nach ein bis vier Jahren noch 20 bis 50 Prozent der Betroffenen unter anhaltenden Einschränkungen oder Schmerzen leiden.

Therapeutische Maßnahmen spielen eine wichtige Rolle, insbesondere in Phasen starker Schmerzen oder ausgeprägter Funktionseinschränkungen. Hier geht es weniger darum, den natürlichen Verlauf zu „übertreffen“, sondern vielmehr darum, Patientinnen und Patienten sinnvoll zu begleiten, Beschwerden zu lindern und Orientierung zu geben.

In Ihrem Workshop beleuchten Sie neben der Anamnese auch kommunikative Aspekte. Warum ist gerade die Kommunikation zwischen Patient und Therapeut bei dieser Diagnose so entscheidend?

Kommunikation ist das A und O. Gerade bei einer Erkrankung wie der Frozen Shoulder, die oft langwierig und schmerzhaft verläuft, brauchen Patientinnen und Patienten Vertrauen.

Wichtig ist, dass sie verstehen, was im Körper passiert und welchen Verlauf die Erkrankung typischerweise nimmt. Gute Aufklärung nimmt Ängste, schafft Orientierung und hilft, realistische Erwartungen zu entwickeln.

Was können die Teilnehmenden konkret aus Ihrem Workshop für ihre tägliche Praxis mitnehmen?

Mir ist wichtig, dass die Teilnehmenden mehr Sicherheit im Umgang mit dieser Diagnose gewinnen. Dazu gehören drei Punkte.

Erstens: Wie erkenne ich eine Frozen Shoulder möglichst früh und nicht erst in der Spätphase? Zweitens: Welche Interventionen machen tatsächlich Sinn und welche sollte man besser lassen? Und drittens: Welchen Beitrag können wir als Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, Ärztinnen und Ärzte oder Sportwissenschaftler leisten, um Patientinnen und Patienten strukturiert durch diesen oft langwierigen Prozess zu begleiten?

Der Vortrag „Frozen Shoulder - It freezes up“ findet am 19. Juni 2026 von 10:30 bis 12:00 Uhr im Kongress der therapie MÜNCHEN statt.

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