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Systemische Beruhigung statt Reparatur von Defiziten (S-22)

Die Wirkung von Training bei chronischen Rücken- und Gelenkbeschwerden

Stadtgebiet
15:00 - 16:30 Uhr Sa. 20. Juni

Kurzbeschreibung

2 Unterrichtseinheiten / Fortbildungspunkte


Beschreibung

Bewegung gilt als zentrale Intervention bei chronischen muskuloskelettalen Schmerzen. In Praxis, Patientenerwartungen und Teilen der Fachkommunikation dominiert jedoch weiterhin ein Reparaturnarrativ: Trainiert wird, um „kaputte“ Strukturen zu stabilisieren, Muskeln zu „stärken“ oder Gelenke zu „retten“. Dieses mechanistische Modell steht im Widerspruch zu biopsychosozialen Befunden, nach denen Schmerz vor allem ein Ausdruck gesteigerter Schutz- und Bedrohungswahrnehmung ist.

Der Vortrag setzt hier an und verfolgt drei Ziele:
1. Es wird zeigt, warum klassische Erklärungen („zu schwach“, „instabil“, „verschlissen“) therapeutisch in die Irre führen und Bedrohung eher verstärken als abbauen.
2. Es wird werden zentrale empirische Befunde zu Training, Behavioral Graded Activity und Exposition zusammengefasst, die Bewegung als Medium der Beruhigung des Schutzsystems verstehen – über Angstabbau, Selbstwirksamkeit und veränderte Bewertung von Belastung.
3. Es werden konkrete Konsequenzen für die Gestaltung von Therapie, Kommunikation und Setting abgeleitet.

Anhand typischer Fälle aus der muskuloskelettalen Versorgung wird gezeigt, wie identische Übungen völlig unterschiedliche Wirkungen entfalten können – je nachdem, ob sie als Reparaturmaßnahme an „geschädigten“ Strukturen oder als sicherer Erfahrungsraum für Belastbarkeit, Kontrolle und Autonomie gerahmt werden. Diskutiert werden unter anderem: der Umgang mit Bewegungsangst und Vermeidung, der Einsatz von graded activity/exposure, die Rolle der therapeutischen Beziehung und die Bedeutung von Sprache („Belastbarkeit“ versus „Verschleiß“).

Die Zuhörenden erhalten praxisnahe Leitlinien, wie sie ihr eigenes Vorgehen vom Reparatur- hin zu einem Sicherheits- und Vertrauensmodell von Bewegung entwickeln können. Im Zentrum stehen dabei nicht neue „Übungsrezepte“, sondern ein verändertes therapeutisches Narrativ: Bewegung heilt nicht, weil sie defekte Strukturen repariert, sondern weil sie Sicherheit, Kontrolle und Vertrauen in den eigenen Körper (wieder) erfahrbar macht.

Referent*in

Informationen zum Programm

Veranstaltungsort

MOC - K1A

Adresse
Lilienthalallee 40 80939 München
Kontakt
Website: https://moc-muenchen.de/de/