Die Neurodynamik beschreibt die mechanischen und physiologischen Eigenschaften des Nervensystems sowie dessen Interaktion mit umliegenden Strukturen und stellt ein zentrales Konzept in der muskuloskelettalen und neurologischen Physiotherapie dar. Trotz ihrer breiten Anwendung bestehen in der klinischen Praxis weiterhin Unsicherheiten hinsichtlich Definition, Diagnostik und therapeutischer Progression.
Dieser Vortrag bietet eine strukturierte Revision und ein evidenzbasiertes Update der angewandten Neurodynamik nach Michael Shacklock. Ziel ist es, neurodynamische Prinzipien wissenschaftlich fundiert und praxisnah darzustellen und deren Relevanz für den physiotherapeutischen Alltag zu verdeutlichen.
Zu Beginn werden grundlegende Definitionen der Neurodynamik sowie allgemeine Gesetze zur Beweglichkeit, Belastbarkeit und Adaptationsfähigkeit peripherer Nerven erläutert. Darauf aufbauend wird aufgezeigt, wie sich neurodynamische Test- und Behandlungsstrategien regionsspezifisch zwischen Wirbelsäule und peripherem Nervensystem unterscheiden.
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der klinischen Diagnostik mittels neurodynamischer Tests. Anhand eines praxisnahen Fallbeispiels wird demonstriert, wie neurodynamische Untersuchungen in den klinischen Reasoning-Prozess integriert werden können und wie sich daraus differenzierte diagnostische Kategorien ableiten lassen.
Abschließend werden Progressionsmodelle für neurodynamische Interventionen vorgestellt – von akuten Maßnahmen über rehabilitative Strategien bis hin zu leistungsorientierten Anwendungen. Der Vortrag verknüpft aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse mit klinischer Anwendung und unterstützt Physiotherapeut:innen dabei, neurodynamische Konzepte gezielt, sicher und effektiv einzusetzen.