Sprache ist in der Sport- und Physiotherapie nicht nur Information, sondern Intervention. Sie beeinflusst Erwartungen, Aufmerksamkeit, Emotionen und damit neurophysiologische Prozesse der Schmerzverarbeitung. Unter dem Begriff Nocebo-Sprache werden Formulierungen verstanden, die – oft unbeabsichtigt – Bedrohung signalisieren, negative Erwartungen erzeugen und dadurch Schmerz und Funktionseinschränkung verstärken können. Gerade in einem Setting, das auf aktive Rehabilitation und Leistungsfähigkeit zielt, kann nocebogene Kommunikation die therapeutische Allianz schwächen, Schonverhalten fördern und Progression sowie Adhärenz beeinträchtigen.
Der 90-minütige Vortrag „Nocebo-Sprache – Das Gift der sporttherapeutischen Kommunikation“ verbindet kommunikationspsychologische und psychobiologische Perspektiven. Im Zentrum der ERklärung steht die Gate-Control-Theorie der Schmerzmodulation: Wie kognitive Bewertung, Emotion (z. B. Angst), Stressphysiologie und Aufmerksamkeitslenkung über absteigende Bahnen das „Gate“ in der spinalen Verarbeitung beeinflussen – und wie Sprache als Reiz- und Bedeutungsgeber diese Prozesse triggert. Damit wird nachvollziehbar, warum nocebogene Aussagen nicht nur psychologisch wirken, sondern die Wahrscheinlichkeit für erhöhte nozizeptive Verstärkung, Hypervigilanz und Schutzprogramme des Nervensystems erhöhen können.
Anhand typischer Situationen aus Anamnese, Befundkommunikation, Edukation und Trainingsanleitung zeigt der Vortrag, wie Nocebo-Sprache entsteht und wie sie sich durch präzise, evidenzorientierte und gleichzeitig empathische Formulierungen ersetzen lässt – ohne Symptome zu bagatellisieren. Vermittelt werden Strategien für Risiko- und Prognosekommunikation, funktionales Reframing, die klare Trennung von Schmerz und Gewebeschaden sowie sprachliche Cues zur Förderung von Sicherheit, Selbstwirksamkeit und graduierter Belastungssteigerung.
Ziel des Vortrags ist es, kommunikative „Giftstoffe“ zu erkennen und durch eine therapeutische Sprache zu ersetzen, die das psychobiologisch beruhigt, adaptive Kognitionen stärkt und die Schmerzmodulation günstig beeinflusst – als konkreter, alltagsrelevanter Beitrag zu besseren Outcomes in der physiotherapeutischen und sporttherapeutischen Versorgung.