Kongress

S-18 - Zusammenarbeit mit Patient*innen bewusst gestalten - Therapeutische Allianz als wichtiger Faktor im physiotherapeutischen Prozess

keinen

Kurzbeschreibung

Grundlagenseminar ohne Vorkenntnisse)
2 Unterrichtseinheiten / Fortbildungspunkte

Beschreibung

Was weiß man bisher? Physiotherapeut*innen sind in hohem Maße von der Mitarbeit ihrer Patient*innen abhängig, beispielsweise beim Informationsaustausch, der Zielplanung, aktiven Übungen oder Verhaltensänderungen. Dies trifft umso mehr auf komplexe Situation zu (z.B. chronische Schmerzen), in denen Therapeut*innen überwiegend beratend und prozesssteuernd agieren und Patient*innen mehr und mehr für die Umsetzung der gemeinsam vereinbarten Maßnahmen verantwortlich sind. Untersuchungen, überwiegend aus dem medizinischen und psychotherapeutischen Kontext, zeigen, dass eine tragfähige Arbeitsbeziehung (therapeutische Allianz, TA) die Qualität der Zusammenarbeit, den Prozess der gemeinsamen Zielfindung sowie die aktive Beteiligung und Adhärenz der Patient*innen positiv beeinflussen und somit zur Problemlösung beitragen kann. Manche Autoren führen sogar den Effekt auch spezifischer therapeutischer Interventionen im Wesentlichen auf die allgemeinen Faktoren zurück, zu denen auch die TA gehört. Welche Rolle also spielt die TA bei der Umsetzung und für den Effekt physiotherapeutischer Interventionen? Diese Frage steht auch in der Physiotherapie immer mehr im Fokus. Auch wenn die Bedeutung der TA als allgemeiner Wirkfaktor für das physiotherapeutischen Setting bislang nur wenig untersucht ist, weisen Studien darauf hin, dass die TA einen positiven Zusammenhang mit Übungsadhärenz, Schmerzreduktion und Einschränkung zeigt. Darüber hinaus kann sie ein Prädiktor für das Behandlungsergebnis sein. Was bedeutet das für die Praxis? Für die Praxis bedeutet dies zunächst, dass ein Bewusstsein darüber entstehen sollte, dass die TA fester Bestandteil der Physiotherapie ist, dass sie aktiv gestaltet werden kann und dazu beitragen kann, physiotherapeutische Interventionen besser umzusetzen und deren Effekt zu erhöhen. Vor dem Hintergrund des biopsychosozialen Modells und der anzustrebenden Rollen, aus denen Physiotherapeuten zukünftig agieren sollen, trägt die Auseinandersetzung mit der TA zu einer weiteren Professionalisierung der Physiotherapie bei. Was erwartet die Teilnehmenden im Seminar? Der Workshop gibt im ersten Teil einen kurzen Einblick in die momentan bestehende Evidenz zum Thema. Im zweiten Teil werden Voraussetzungen, Methoden und Techniken dargestellt und praktisch geübt, die helfen, bewusst Beziehung zu etablieren, zu fördern und wiederherzustellen. Wichtige Einflussfaktoren auf die TA wie z.B. Empathie, Vertrauen schaffen, Wertschätzung, Autonomie oder gemeinsames Entscheiden werden dabei aufgegriffen.

Referent: