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10.06.2026 therapie MÜNCHEN

Wenn der eigene Weg Olympia-Gold wert ist

Oliver Zeidler verpasst die Olympiaqualifikation im Schwimmen, beendet seine Karriere, wechselt ins Rudern und wird binnen weniger Jahre Weltmeister und Olympiasieger. Nicole Hollaus, leitende Physiotherapeutin des Deutschen Ruderverbandes, begleitete diesen Weg von Anfang an. Auf der therapie MÜNCHEN spricht sie über ihre jahrelange Zusammenarbeit, über Vertrauen, Verantwortung und die Frage, was sportphysiotherapeutische Arbeit im Spitzensport ausmacht.

Wenn eine sportphysiotherapeutische Zusammenarbeit bei null beginnt: Welche Grundlagen müssen zuerst geschaffen werden?

Für mich ist das Wichtigste, zunächst eine Wellenlänge mit der Person zu finden. Gerade am Anfang entsteht ein menschlicher Eindruck, der entscheidend ist. Es muss menschlich passen, man muss miteinander arbeiten können.

Dazu kommt natürlich die fachliche Ebene. Vertrauen entsteht für mich aus beidem, aus einer guten zwischenmenschlichen Basis und aus fachlicher Glaubwürdigkeit. Zuverlässig zu sein, zuzuhören und Sicherheit zu geben, ist das eine, aber in Situationen, in denen es darauf ankommt, muss man auch wirklich helfen können. Wenn man einen vermeintlich aussichtslosen Schmerzzustand mit ein paar Griffen auflösen kann, gibt es kaum etwas, das mehr Vertrauen schafft. Und je bedeutender der Moment, desto mehr schweißt es zusammen.

In Ihrem Vortrag geht es auch darum, wie man einen Einzelsportler im Kreis eines Teams begleitet. Was ist dabei besonders herausfordernd?

Herausfordernd war vor allem, dass ich immer ein Stück weit den Stempel hatte, „seine Physiotherapeutin“ zu sein. Damit stand natürlich schnell die Frage im Raum, ob ich mit den anderen genauso umgehe wie mit ihm.

Genau das ist der Balanceakt. Man versucht, alle gleich zu behandeln, ohne alle gleich zu behandeln, weil jeder etwas anderes braucht. Entscheidend ist deshalb, dass sich alle in ihrer jeweiligen Situation gut unterstützt fühlen. Dafür muss man sehr genau wahrnehmen, was die einzelne Person braucht und darauf verlässlich eingehen.

Auch da spielen Soft Skills wieder eine große Rolle: Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit und das Gefühl zu vermitteln, dass man für jeden Einzelnen da ist und auch für jeden alles gibt. Wenn man das in konkreten Situationen zeigen kann, dann verlieren sich viele dieser Fragezeichen mit der Zeit.

Über sieben Saisons hinweg verändert sich nicht nur ein Athlet, sondern auch die eigene Rolle. Was haben Sie in dieser Zeit über Ihre Arbeit als Physiotherapeutin gelernt?

Ein großes Thema für mich war am Anfang, überhaupt zu akzeptieren, dass das jetzt wirklich Weltspitzenniveau ist. Das war gar nicht so leicht, weil ich aus meiner Sicht sehr normale Dinge gemacht habe. Für mich selbst anzunehmen, dass das auf diesem Niveau funktioniert, war ein wichtiger Schritt.

Was mir immer leichtgefallen ist, war das ständige Weiterentwickeln. Der Sportler fordert von sich selbst permanent Weiterentwicklung und ein Streben nach Perfektion, und das überträgt sich auf das Team. Diesen Anspruch und ein eigenes Ziel hatte ich in meinem Bereich genauso.

Ein weiterer Punkt ist die Erfahrung. Mit der Zeit erlebt man viele unterschiedliche Situationen, die sich wiederholen. Dadurch kann man vieles besser einordnen. Genau das gibt Sicherheit. Und diese Sicherheit hilft wiederum, selbst ruhig zu bleiben und auch nach außen Ruhe auszustrahlen.

Der Vortrag „Wenn der eigene Weg Olympia-Gold wert ist“ findet am 19. Juni von 15.00 bis 16.30 Uhr im Kongress der therapie MÜNCHEN statt. Die Teilnahme ist nur mit einem Kongressticket möglich.

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