News
News
Tanz im Rehasport: Interview mit Gabi Bastian
Tanz sollte in den Rehasport viel selbstverständlicher integriert werden. Warum das so ist, erklärt Gabi Bastian im Interview. Als staatlich geprüfte Gymnastiklehrerin mit mehr als 30 Jahren Berufserfahrung erlebt sie seit vielen Jahren, wie Tanz Körper, Geist und soziale Teilhabe gleichermaßen stärken kann.
Welche therapeutischen Qualitäten machen tänzerische Elemente im Rehasport besonders interessant?
Tanzen fördert die Gesundheit ganzheitlich. Körperlich verbessert Tanz Motorik, Koordination, Beweglichkeit und das Zusammenspiel von Muskeln und Gelenken. Das ist besonders wertvoll für die Sturzprophylaxe und bei der Rehabilitation von Gelenk- oder Rückenproblemen. Auch bei neurologischen Erkrankungen kann Tanz viel bewirken. Musik und Rhythmus helfen zum Beispiel dabei, motorische Blockaden zu lösen.
Genauso wichtig ist die geistige Ebene. Neue Schritte, Schrittfolgen und Choreografien fördern die Vernetzung im Gehirn und stärken damit auch Gedächtnis und Konzentration.
Und dann ist da noch die seelische Wirkung. Tanz kann das Selbstwertgefühl stärken, die Stimmung aufhellen und helfen, nach körperlichen Einschränkungen wieder einen positiven Zugang zum eigenen Körper zu finden. Dazu kommt: Regelmäßiges Tanzen baut Stress ab und tut einfach gut
Bei welchen Beschwerden oder Zielgruppen entfalten tänzerische Elemente im Rehasport einen besonderen Mehrwert?
Aus meiner Sicht profitieren eigentlich alle Zielgruppen davon. Ob orthopädische, neurologische oder altersbedingte Einschränkungen: Die positiven Effekte sind sehr breit. Tanz steigert das Wohlbefinden, fördert die Körperkontrolle und unterstützt damit auch die Bewältigung des Alltags. Gleichzeitig sorgt der Spaß an der Bewegung oft dafür, dass Menschen langfristig motiviert bleiben.
Besonders wichtig finde ich den sozialen Aspekt. Begegnung und Kontakt sind für Menschen essenziell, und genau das kann Tanz in einer Gruppe auf besondere Weise ermöglichen.
Was braucht es, damit tänzerische Elemente im Rehasport in der Praxis wirklich funktionieren? Wie gelingt es, Berührungsängste abzubauen und Menschen dafür zu gewinnen?
Aus meiner Sicht braucht es vor allem eine empathische Haltung und die eigene Begeisterung der Lehrkraft. Mein erster Leitsatz ist: Jeder kann tanzen. Entscheidend ist, wie man Bewegung vermittelt. Es braucht eine bildhafte, methodisch gut aufgebaute Anleitung, damit Menschen Sicherheit gewinnen und Erfolgserlebnisse haben.
Der zweite Leitsatz lautet: Freude vor Perfektion. Gerade bei tanzunerfahrenen Teilnehmenden geht es nicht darum, alles sofort korrekt zu machen, sondern überhaupt ins Bewegen zu kommen. Deshalb sollte man auf zu lange und zu detailgetreue Erklärungen verzichten. Bekannte Musik hilft dabei enorm.
Und der dritte Leitsatz ist: Begegnung statt Solo. Ob beim Linedance, als Paar oder in der Gruppe, das Wir-Gefühl steht im Vordergrund und motiviert. Wenn direkter Körperkontakt erst einmal vermieden werden soll, kann man auch mit Bällen, Stäben oder Reifen arbeiten.
Der Vortrag „Welche Rolle kann der Tanz im Rehasport spielen?“ findet am 19. Juni von 15:30 bis 17:00 Uhr auf dem Deutschen Rehasport-Kongress statt. Die Teilnahme ist nur mit einem Kongressticket möglich.